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Ein Plan für das Unvorhersehbare – was ist für die Erben einer Praxis im Notfall zu beachten?

Tritt der unvorhersehbare Fall ein, dass ein Zahnarzt plötzlich verstirbt, ist dies für Angehörige, Mitarbeiter und Kollegen nicht nur mit großem Leid, sondern auch mit vielen Fragen von existenzieller Bedeutung verbunden. Wo befinden sich die wesentlichen Unterlagen zur Praxis, wer hat noch Zugriff auf die Praxiskonten und die Praxissoftware, wer übernimmt die Patientenbehandlung und was passiert eigentlich mit der Praxis? Praxisinhaber sollten sich deshalb mit der Frage auseinandersetzen, was im Todesfall zu beachten ist. Hierbei geht es darum, wer als Erbe eingetragen ist als auch um die Zukunft der Mitarbeiter. Wer ist in der Lage, die Nachfolge anzutreten?

Mit dem Erbfall geht die Erbschaft »als Ganzes« gemäß § 1922 BGB auf die Erben über. Dies gilt auch für die Praxisnachfolge. Hier sind nach der gesetzlichen Erbfolge neben dem Ehepartner auch alle leiblichen Kinder anteilig erbberechtigt. Besteht zwischen den Erben keine Einigkeit in den wesentlichen Fragen, verzögert die Konfliktlösung zwischen den Erben die Nachfolge. Daher sollten Zahnärzte über ein Testament nachdenken.

Oft sind die Erben aber gar nicht in der Lage, die Praxis fortzuführen, weil sie keine zahnärztliche Approbation haben. Gleichzeitig kommt es natürlich zu einem enormen Wertverlust, wenn der Praxisbetrieb, auch kurzfristig, nicht fortgeführt wird. Fehlt es an einer Generalvollmacht, benötigen die Erben zu allererst einen Erbschein, um tätig zu werden. Das führt zu einem Zeitverlust, da die Ausstellung eines Erbscheins durch das zuständige Amtsgericht mehrere Wochen dauern kann. Deshalb empfiehlt es sich dringend, im Vorfeld Generalvollmachten auszustellen, um Rechnungen begleichen zu können und den Praxisbetrieb seitens der Verwaltung nicht zu behindern. Auf diese Weise sind die Erben handlungsfähig.

Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass die Zulassung mit dem Tod des Zahnarztes endet. Zwar ist im Todesfall die vorübergehende Beschäftigung eines Vertreters möglich, allerdings häufig nur für zwei Quartale. Für die Beschäftigung eines Vertreters müssen die Erben des verstorbenen Praxisinhabers bei der KVZ eine Vertretergenehmigung beantragen. Ist ein Vertreter gefunden, ist es wichtig, dass dieser über eine ausreichende Berufshaftpflichtversicherung verfügt. Die Berufshaftpflichtversicherung des Praxisinhabers endet nämlich ebenfalls mit dessen Tod. Arbeitsverträge der Praxismitarbeiter bestehen weiter fort, mit dem Tod des Praxisinhabers enden diese nicht.

Vorsorgen kann man auch mit einer Art Notfallschublade, in der sich sämtliche Kontaktdaten von Steuerberatern, Rechtsanwälten, Kammern und Beratern befinden. In dieser Schublade sollten sowohl Testament, Generalvollmacht, Bankvollmachten, Praxisverträge und Patientenverfügung sein als auch Versicherungen, Miet-, Leasing- und Pachtverträge, die im Laufe der Jahre abgeschlossen wurden. Ganz wichtig ist auch die Hinterlegung wichtiger Passwörter und PIN Nummern – all das erleichtert den schweren Weg.
Im Notfall greift man so auf detailliertes über Jahre entstandenes Hintergrundwissen zurück und ist umfassend informiert.

Ist der Zahnarzt Gesellschafter einer Gemeinschaftspraxis gelten Besonderheiten. Hier sieht § 727 Abs. 1 BGB vor, dass die Gesellschaft mit dem Tod eines Gesellschafters aufgelöst wird. Dies kann zu erheblichen Aufwendungen und Verpflichtungen der Erben und auch der verbleibenden Partner führen. Zum einen müssen sich die Erben darum kümmern, den Gesellschaftsanteil des Erblassers zu verkaufen. Zudem geht bei einem Eintritt der Erben in die Gesellschafterstellung die Haftungsverpflichtung des Erblassers in vollem Umfang auf sie über. Zum anderen gehen einzelne Verträge auf die verbleibenden Partner über und können dort zur finanziellen Belastung werden. Um diese Probleme zu vermeiden, ist es dringend notwendig, eine gesellschaftsvertragliche Regelung zu treffen. Diese sollte vorsehen, dass die Gesellschaft von den übrigen Gesellschaftern fortgesetzt wird, der Geschäftsanteil des Verstorbenen von ihnen übernommen wird und die Erben im Gegenzug eine angemessene Abfindung erhalten.