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Oldtimer als Firmenwagen

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Oldtimer als Firmenwagen
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Immer mehr Selbstständige und Freiberufler ergreifen die Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, und fahren einen Oldtimer als Firmenwagen. Dies ist in der Praxis trotz zahlreicher Vorteile insbesondere steuerrechtlich nicht ganz ohne Risiko.

Neben den emotionalen Beweggründen, einen Oldtimer zu fahren und möglicherweise nebenbei auch das persönliche Image oder das des Unternehmens zu verbessern, hat die Nutzung eines Oldtimers als Firmenwagen auch handfeste steuerliche Vorteile. Dies gilt insbesondere, wenn die Möglichkeit, den Oldtimer auch privat zu benutzen, in die Betrachtung einbezogen wird.

Ein grundsätzliches Abzugsverbot für Kosten von alten Autos oder Oldtimern gibt es nicht; auch wenn diese höher als gewöhnlich sind. Sind die Kosten aber besonders hoch und wird das Fahrzeug beispielsweise unüblich wenig gefahren für ein betriebliches Fahrzeug, kann es passieren, dass sämtliche Kosten als unangemessene Repräsentationskosten – anders ausgedrückt: Weil das Fahrzeug mehr dem privaten Hobby als dem Betrieb dient – nicht abzugsfähig sind (so beispielsweise das Finanzgericht Baden- Württemberg im Fall eines Jaguar E-Type von 1973; Az. 6 K 2473/09).

Privatnutzung

Trotz der Möglichkeit, die Versteuerung des privaten Nutzungsanteils eines Firmenwagens durch ein Fahrtenbuch zu optimieren, wird die Privatnutzung eines Firmenwagens in der Praxis überwiegend nach der sog. 1% - Regel versteuert. Voraussetzung ist unter anderem eine betriebliche Nutzung von mindestens 50 Prozent.

Nach dieser Vorschrift werden den Kosten des Fahrzeugs wie Leasingrate oder Abschreibung, Kraftstoff, Steuer, Versicherung, Reparaturen etc. monatlich ein Prozent des Bruttolistenpreises gegengerechnet.

Ein gut ausgestattetes Mittelklassefahrzeug für 51.000 Euro Listenpreis generiert jährlich neben weiteren Kosten beispielsweise als Neuwagen eine Abschreibung von 8.500 Euro. Allerdings werden von diesen Kosten bereits über 6.000 Euro neutralisiert, nämlich zwölfmal ein Prozent des Listenpreises, so dass der Steuerpflichtige aus der Anschaffung des Fahrzeugs weniger als 2.500 Euro steuerlich geltend machen kann.

Da bisher sämtliche Versuche wie beispielsweise für gebrauchte Fahrzeuge oder für solche, die ohne das Recht auf Vorsteuerabzug von Privatpersonen erworben wurden, von diesem Bruttolistenwert abzuweichen, erfolglos waren, gilt diese Berechnung auch für Gebrauchtwagen und führt häufig zu dem Ergebnis, dass überhaupt keine Kosten aus der Anschaffung des Fahrzeugs angesetzt werden können.

Der grundsätzliche Nachteil des Ansatzes des Bruttolistenpreises wird bei klassischen Fahrzeugen schnell zum Vorteil. Maßgeblich bleibt bei älteren Fahrzeugen der ursprüngliche Listenpreis, selbst wenn die Fahrzeuge heute oft ein Vielfaches wert sind. Die heute häufig hohen Anschaffungskosten eines Oldtimers bleiben bei der 1%-Regel unberücksichtigt.

Erwirbt ein Unternehmer heute einen restaurierten Klassiker aus den siebziger Jahren, so kann der Preis leicht dem des erwähnten gut ausgestatteten Mittelklassefahrzeugs von 51.000 Euro entsprechen. Die Kostenkürzung für die jährliche Privatnutzung dagegen beträgt nicht über 6.000 Euro, sondern wegen des ursprünglichen Bruttolistenpreises von 25.000 DM nur etwa 1.500 EUR.

Der gleiche Effekt ergibt sich bei der Besteuerung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Gegebenenfalls ließe sich hier mittlerweile allerdings auch ohne die Nutzung von Oldtimern eine erhebliche Verbesserung der Steuerbelastung erreichen, indem man sich auf die erst seit kurzem auch von der Finanzverwaltung akzeptierte Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs stützt und die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit nicht mehr pauschal mit 0,03% des Listenpreises, sondern individuell mit 0,002% für jede tatsächliche Fahrt ansetzt.

Gelegentlich versucht die Finanzverwaltung allerdings, die Abschreibungsdauer solcher hochwertigen Liebhaberfahrzeuge auf einen längeren Zeitraum als sechs Jahre anzusetzen. In der Praxis sind dies bisher Ausnahmefälle. Dennoch empfiehlt sich die Abstimmung mit dem Finanzamt an dieser Stelle.

Reparaturen

Es gibt noch weitere Vorteile, die für die Anschaffung eines Oldtimers als Firmenwagen sprechen.

Beispielsweise kann sich die Anschaffung eines zu restaurierenden Fahrzeugs lohnen. Bei der Restaurierung ist meist ein Großteil der Kosten als Reparatur sofort absetzbar. Aber hier ist Vorsicht geboten. Reparaturen sind nur dann sofort absetzbar, wenn sie zu keiner wesentlichen Verbesserung des Gesamtzustandes (Komplettrestaurierung) des Fahrzeugs führen. So sind regelmäßig Kosten, die der Verkehrssicherheit dienen wie etwa Reparaturen der Bremsen oder Lenkung sofort abziehbar, während beispielsweise eine komplette Neulackierung ohne tatsächlichem Verbrauch des alten Lacks problematisch werden kann.
Ein weiterer Vorteil von Oldtimern ist ein trotz intensiver Nutzung niedriger Wertverlust. Häufig ergibt sich sogar trotz Nutzung des Fahrzeugs eine Wertsteigerung. Bei einer Veräußerung oder Entnahme des Klassikers entsteht dann allerdings auch eine entsprechend hohe Steuerbelastung. Häufig ist es daher günstig, einen Oldtimer sehr langfristig im Betriebsvermögen zu halten. Dies ist grundsätzlich auch trotz einer zwischenzeitlichen Unterschreitung der betrieblichen Nutzung von 50 Prozent zulässig.

Lässt die Marktsituation allerdings eine langfristig stark steigende Wertentwicklung erwarten, so sollte die Zuordnung zum steuerlichen Betriebsvermögen grundsätzlich in Frage gestellt werden. In diesem Fall bietet sich das Leasing des Fahrzeugs als Lösungsansatz an; ist allerdings wiederum mit steuerlichen Fallstricken versehen.

Leasing

In den letzten Jahren ist der Markt für das Leasing insbesondere von Oldtimern stark gewachsen. Hintergrund ist neben der grundsätzlichen Attraktivität von Oldtimern, dass einem niedrigen Leasingrestwert häufig ein sehr hoher tatsächlicher Wert gegenübersteht.

Wegen der niedrigen Werte der 1%-Regel ergibt sich ein beinahe vollständiger Abzug der Leasingraten als Betriebsausgabe, da häufig fiktive, allerdings unrealistisch niedrige Restwerte angesetzt werden. Dennoch ergeben sich in der Regel keine Probleme mit der Anerkennung der laufenden Kosten durch das Finanzamt.

Steuer- und strafrechtlich problematisch dagegen ist eine weitere vermeintlich vorteilhafte Gestaltung, die sich im Rahmen des Leasings von Oldtimern verbreitet hat; aber auch für alle anderen Fahrzeuge gilt. In der Regel können Fahrzeuge zum vorher vereinbarten, insbesondere bei Oldtimern häufig unrealistisch niedrigen Restwert nach Ablauf der Leasingdauer übernommen werden.
Erfolgt die Übernahme aus dem Leasing nicht in das Betriebsvermögen, sondern kauft der Unternehmer das Fahrzeug beispielsweise privat, wurden letztendlich Kosten steuerlich geltend gemacht, denen bei einer regulären Entnahme aus dem Betriebsvermögen ein entsprechender Entnahmegewinn gegenübergestanden hätte.

Während dies jahrelang von der Finanzverwaltung zähneknirschend hingenommen wurde bzw. werden musste, hat der Bundesfinanzhof dieser Praxis – so sie denn aufgedeckt wird – mittlerweile einen Riegel vorgeschoben. Die Differenz zwischen dem wahren Wert des Fahrzeugs und dem unrealistisch niedrigen Preis im Rahmen der Übernahme des Fahrzeugs ist als steuerpflichtiger Ertrag zu versteuern (BFH Az. X R 20/12).

Häufig verbleibt bei dieser Gestaltung auch ein wirtschaftliches Restrisiko. Damit eine vermeintliche steuerliche Anerkennung erfolgt, erhält der Unternehmer häufig keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf den Erwerb des Fahrzeugs. Der Leasinggeber könnte daher das Fahrzeug nach Ablauf der Leasinglaufzeit auch an jeden Dritten zum tatsächlichen Wert veräußern. Gelegentlich in der Praxis anzutreffende Nebenvereinbarungen könnten dieses Risiko zwar wiederum mindern, verhinderten dann allerdings auch die Steuerersparnis.

Inwieweit der derzeitige Trick zur Umgehung, die Kaufzusicherung einer Verwertungsgesellschaft, die Steuerpflicht des Differenzbetrags zwischen Kaufpreis und wahrem Wert verhindert, ist zwar nicht final ausgeurteilt, darf jedoch stark bezweifelt werden – zumal zwischen der Leasinggesellschaft und der Verwertungsgesellschaft häufig gegenseitige Beteiligungs- und Abhängigkeitsverhältnisse bestehen.

Zuletzt wäre bei diesen Gestaltungen die Möglichkeit einer Steuerpflicht auf der privaten Ebene zu beachten, falls das Fahrzeug innerhalb eines Jahres nach Kauf aus dem Leasing wieder verkauft würde.

Sammlungen

Probleme mit der steuerlichen Anerkennung entstehen auch, wenn privat ebenfalls Oldtimer gesammelt werden, weil dann ein überwiegend privates Interesse unterstellt werden könnte. Auch beim Ankauf von Oldtimern ohne eine Nutzung, ohne regelmäßige Verkäufe oder ohne Erzielung von unterjährigen Mieteinnahmen - jeweils in der Erwartung zukünftiger Wertsteigerungen - ist in der Regel eine steuerliche Berücksichtigung der Kosten ausgeschlossen. Im Gegenzug besteht bei Sammlungen das Risiko eines Gewerbebetriebs, was wiederum bedeutete, dass zwar die Kosten abgesetzt werden können, aber auch die Wertsteigerungen steuerpflichtig sind.

Zuletzt muss jeweils individuell geprüft werden, inwieweit eine Zuordnung zum Betriebsvermögen und damit eine gewerbliche Nutzung die Zulassung unter Verwendung eines Oldtimerkennzeichens (H-Kennzeichen) verbietet.

Aufgrund der Komplexität des Themas Firmenwagen und der Besonderheiten bei der Nutzung von Oldtimern sollte die Anschaffung von Klassikern immer im Rahmen einer ausführlichen Beratung unter Beachtung der langfristigen Verwendungsabsichten erfolgen.